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Die Entstehung des Hortwesens in der Stadt ZürichDer erste KnabenhortAm 2. März 1886 berief der Schulverein der Stadt Zürich eine Sitzung ein, um über den Bedarf eines Knabenhortes zu sprechen. Der Präsident des Schulvereins, Paul Hirzel, erklärte in einem Referat die Aufgaben eines Hortes, wie sie in grösseren Städten Deutschlands bereits bestanden. Er schlug vor, etwas 50 bis 60 Knaben verschiedener Schulklassen in einem Hort zusammenzufassen, um diese unter der Aufsicht eines Lehrers sinnvoll zu beschäftigen. Der Hort sollte an schulfreien Nachmittagen und am Abend bis um 19.00 Uhr geöffnet sein, weil vor allem die Zeit nach der Schule sich als problematisch erwiesen hatte. Hirzel sah in seinem Referat bereits die Gründung weiterer Horte vor, falls sich der Versuch als erfolgreich erweisen sollte. Der Antrag Hirzels verlangte die Bildung einer Kommission, die prüfen sollte, welche anderen Trägerschaften sich an einem solchen Projekt mitbeteiligen würden. Ihm schwebten verschiedene gemeinnützige Vereine vor. So etwa die Kommission für Ferienkolonien und der freiwillige Armenverein („Armenväterverein“), deren Präsident Walter Bion war. Im Herbst 1886 gehörten dieser Kommission, die sich „Kommission für die Gründung von Knabenhorten“ nannte, Mitglieder des Stadtrates, der Stadtschulpflege, ein Arzt und mehrere Lehrer an. Paul Hirzel übernahm das Präsidium, Walter Bion das Vize-Präsidium. Am 26. Oktober 1886 wurde der erste Knabenhort der Stadt im Fraumünster-Schulhaus eröffnet. Mit der Leitung und Organisation des ersten Hortes war der Lehrer Albert Fisler beauftragt, der im Schulhaus Wolfbach tätig war. Fisler folgte dem Antrag der Schulbehörde unter der Bedingung, dass der Betrieb und die Organisa- tion des Hortes sich auf bereits gemachte Erfahrungen im Ausland abstützte, und an die Verhältnisse in Zürich angepasst würden. Er rekognoszierte die Lage auf einer Studienreise nach Deutschland selber, und besuchte verschiedene Horte in München und Augsburg, wo bereits in den 1870er Jahren die ersten Horte entstanden waren. Die historischen Vorbilder des Hortes waren die Kleinkinderkrippen und die Kleinkinderbewahrungsanstalten, die schon vor 1800 die Aufgabe erfüllten, die Kinder arbeitenden Mütter zu betreuen. Ähnliche Anstalten gab es früher schon in Darmstadt, Dresden, Stuttgart, Weimar, Leipzig und in weiteren Städten Deutschlands, allerdings nicht unter der Bezeichnung Hort, sondern mit ganz unterschiedlichen Namen: Arbeitshaus, Beschäftigungsanstalt, Gartenarbeitsschule, Kinderheime oder Volkserziehungsanstalten. Gemeinsam war diesen Anstalten die Aufgabe der Betreuung. Die pädagogischen Anforderungen und die Einrichtung entsprachen noch keinen einheitlichen Richt- linien, sondern waren bedingt durch die verschiedenen örtlichen Begebenheiten und Anforderungen (z.B. Fabrikzentren oder kleine Landstädte). Verschiedentlich forderte Albert Fisler, dass bei der Leitung des Hortes kein allzu häufiger Personalwechsel stattfinden sollte. Dahinter stand der Gedanke, dass sich zwischen den Kindern und dem Hortleiter eine möglichst familiäre Beziehung und damit eine für die Erziehung notwendige Konstanz einstellen sollte. Fisler selber konnte dieser Anforderung allerdings nur befristet genügen. Bereits nach sechs Monaten musste infolge der grossen Arbeitsbelastung eine Hilfe beigezogen, und für das zweite Betriebsjahr sogar eine alternierende Betreuung organisiert werden. 1890, als Paul Hirzel das Präsidium der Jugendhortkommission an Walter Bion übergab, trat auch Fisler aus gesundheitlichen Gründen von der Leitung des Knabenhortes im Fraumünster-Schulhaus zurück. Finanziert wurde der erste Knabenhort durch Spenden der Hülfsgesellschaft, des freiwilligen Armenvereins, der Loge zum Lindenhof, durch private Spenden sowie durch Brotspenden der Konsumgesellschaft Zürich. Historische Dokumente zum Hortwesen (Stadtarchiv Zürich):Knabenhort Zürich Wochenbericht 1886 (2 Seiten)
Erster Jahresbericht des Knabenhortes Zürich 1886 - 87: Rechnung (2 Seiten)
Erster Jahresbericht des Knabenhortes Zürich 1886 - 87: Vorschriften über den Besuch des Knabenhortes.
Verfasst Ralph Ochsner, Lektorat und Zusammenfassung I. Lepori, Design
J. Soriano |
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