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Die Entstehung des Hortwesens in der Stadt Zürich

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Veränderte Lebens- und Arbeitsbedingungen im 19. Jahrhundert

Die als industrielle Revolution bezeichnete wirtschaftliche Neuordnung lag in der neuen Art der Fabrikation. Die Erfindung der Spinnmaschine ermöglichte eine rationelle Herstellung von Textilien. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden Seidenstoffe, Wolltuche und andere Produkte, die im Kanton Zürich eine lange Tradition hatten, zu Hause hergestellt. Die Heimarbeit bot einem grossen Teil der Bevölkerung eine Verdienstmöglichkeit und machte sie mindestens teilweise von der Agrarproduktion unabhängig.

Die erste Spinnmaschine wurde in der Schweiz um 1800 in Betrieb genommen, und 1825 begann man damit, die Maschinen für einen effizienteren Unterhalt in Fabriken zu konzentrieren. Von diesem Moment an war der Siegeszug der fabrikmässigen Betriebe in der Schweiz nicht mehr aufzuhalten.

Auf die Fabrikarbeit angewiesen waren zuerst die Handspinner, die durch die Mechanisierung ihre Arbeit verloren. Unter ihnen waren die Kinder übermässig stark vertreten. 1827 waren im Kanton Zürich von 5000 Spinnern 48% unter 16 Jahren.

Ein besonders grosser Zuwachs an Fabrikarbeitern war in der Periode von 1882 bis 1911 zu verzeichnen, als die Zahl um 154,7% anstieg.

Von den veränderten Arbeitsbedingungen waren aber nicht nur die Fabrikarbeiter betroffen. Auch die Heimarbeiter bekamen die schnellen wirtschaftlichen Veränderungen zu spüren. Wohnort und Arbeitsplatz bildeten bei ihnen zwar noch eine Einheit, ihre Lebensbedingungen glichen sich aber im Laufe der Zeit immer mehr denen der Fabrikarbeiter an.

Weiter trug die rasante Entwicklung des Verkehrsnetzes dazu bei, die Struktur der schweizerischen Wirtschaft zu verändern und neue Arbeitsplätze zu schaffen, welche die Bevölkerung aus dem Hinterland dazu bewog, in die stärker industrialisierten Gebiete zu ziehen.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs auch die Maschinenindustrie und löste die Textilindustrie in ihrer Bedeutung allmählich ab. Erneut wurden Handwerker und Bauern gezwungen, ihre berufliche Unabhängigkeit aufzugeben und auf Lohnarbeit umzusteigen. Der Wohnort musste zwangsläufig in die Nähe der Industriezentren verlegt werden. So entstanden eigentliche Arbeiterquartiere in denen die Familien oft unter zum Teil sehr ärmlichen Bedingungen leben mussten. Im Kanton Zürich waren von dieser Entwicklung vor allem die Gemeinden Aussersihl und Wiedikon betroffen. In der Stadt Zürich bildete sich im Niederdorf ein Arbeiterquartier.

Der wirtschaftliche Aufschwung und der Aufbau der Eisenbahn schädigten die Landwirtschaft und verknappten das Geld. 1861 und 1865 sanken die Getreidepreisen. Schlechte klimatische Bedingungen verursachten 1866 und 1867 Missernten.

Weil der Export abnahm, erlitten die Seidenindustrie und der Seidenhandel in der Rezession von 1875 schwere Rückschläge. Die Schwäche der Textilindustrie zog Einkommenseinbussen, Entlassungen und Arbeitslosigkeit mit sich.

Die seit 1850 anhaltende Konjunkturphase war in den 1860er Jahren in eine Periode verlangsamten wirtschaftlichen Wachstums übergegangen die bis 1895 anhielt: Die „Grosse Depression“.

Die schlechte wirtschaftliche Lage schlug sich auch auf die Gemütslage der Menschen nieder. Man interpretierte den raschen Wandel als allgemeinen Wertzerfall. Seit den 1860er Jahren zeichneten sich immer grössere soziale Probleme ab als Konsequenz der beschleunigten Entwicklung der Wirtschaft. Viele Arbeiterfamilien waren den wirtschaftlichen Schwankungen hilflos ausgesetzt. Die sinkenden Reallöhne, die etwa 1885 ihren Tiefstand erreichten, nötigten oft auch Frauen und Kinder zur Arbeit, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können. Von 100 Arbeitern waren 1886 in den schweizerischen Fabriken 46 Frauen und 14 Jugendliche.

Den Kindern, die nicht zur Arbeit angehalten wurden und alleine zu Hause bleiben mussten, blieb vielfach nur die Strasse als Aufenthaltsort, womit sie der Gefahr der Verwahrlosung ausgesetzt wurden. Um diese Kinder von der Strasse wegzuholen, mussten neue Betreuungsformen gefunden werden. Neben der Schule gewannen verschiedene andere neue Institutionen an Bedeutung. Eine davon war der Hort.

Schulhaus Fraumünster, Foto Ad. Moser, Zürich 15.3.1898 (Baugeschichtlichen Archiv, Zürich)

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Verfasst Ralph Ochsner, Lektorat und Zusammenfassung I. Lepori, Design J. Soriano
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